Issue 1/2022  -  ISSN 1470-9570

ARTICLES

Auswirkungen von Corona und zunehmender Digitalisierung auf das Deutschlernen und -lehren

Katrin Biebighäuser, Heidelberg (pages 1-17)

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Als Einleitung zum vorliegenden Themenheft soll zunächst die weltweite Situation des DaF-Unterrichts zu Beginn der Covid-19-Pandemie vergegenwärtigt werden. Im Anschluss werden verschiedene Hinweise zur Gestaltung des DaF-Unterrichts mit digitalen Medien gegeben und die Beiträge des Themenheftes vorgestellt.
As an introduction to the special issue, the global situation of teaching German as a foreign language at the beginning of the Covid-19 pandemic shall be brought to mind. After that, the article presents different remarks regarding the arrangement of teaching German as a foreign language with digital media and introduces the articles of the issue.

Die COVID-19-Pandemie als Katalysator für Teilhabeungerechtigkeit. Reflexionen zur Unterrichtspraxis DaF im südafrikanischen Hochschulkontext

Rico Ehren Cape Town, Karin Groenewald, Cape Town & Isabell Pfaff, Stellenbosch (pages 18-40)

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Seit den #MustFall-Protestbewegungen der Jahre 2015 und 2016 wird an südafrikanischen Hochschulen verstärkt Teilhabe(un)gerechtigkeit diskutiert und verschiedene bildungspolitische Transformationsprozesse wurden angestoßen. Der abrupte Transfer vom Präsenz- zum Online-Unterricht aufgrund der COVID-19-Pandemie verschärfte die andauernde Ungleichheit der Zugänge zu Hochschul(lehr)e im Südafrika der Post-Apartheid jedoch erneut: Besonders für Studierende in prekären Verhältnissen erscheint die Teilhabe an virtuellen Lehr-Lern-Umgebungen erschwert. Aufgrund unterschiedlicher Unterstützungsmöglichkeiten wurden an einzelnen Universitätsstandorten so verschiedene Formen virtuellen Unterrichts etabliert. Im vorliegenden Beitrag diskutieren wir sprachbezogene virtuelle Lehr-Lern-Formate und deren Rahmenbedingungen an drei südafrikanischen Hochschulstandorten, an denen seit 2020 asynchroner und synchroner Online-Unterricht umgesetzt wurde. Dabei denken wir über die Schwierigkeit des unterschiedlichen Zugangs zu den spezifischen virtuellen Lehr-Lern-Angeboten des DaF-Unterrichts im südafrikanischen Hochschulkontext nach und beziehen diese auf Teilhabe(un)gerechtigkeiten als (post-)koloniale Kontinuitäten und Brüche. So argumentieren wir auch, dass COVID-19 als ein Katalysator für Herausforderungen und Probleme wirkt, die bereits vor der Pandemie bestanden.
Ever since the #MustFall protest movements of 2015 and 2016 swept across South African campuses, discussions around just and equal participation opportunities have intensified. A variety of transformation processes were initiated through education policies, but the abrupt transition from face-to-face to online teaching as a result of the COVID-19 pandemic has exacerbated the lasting inequality of access to university education in the post-apartheid South Africa. Participation in virtual learning environments seem to have impacted students from precarious social circumstances the most. With different support possibilities available, universities employed various forms of virtual learning. In this paper, we discuss the language related learning and teaching formats and their parameters used at three South African universities, at which asynchronous and synchronous learning has been implemented since 2020. We contemplate the challenges to participation in the different virtual learning environments of German as Foreign Language in the South African university context and draw on this participational (in)equality as (post)colonial continuity and fractions. We therefore argue that the COVID-19 pandemic has served as a catalyst for challenges and problems, which existed even before the pandemic.

Quo vadis, DaF-Unterricht? Aktuelle und zukünftige Herausforderungen virtueller DaF-Lehrveranstaltungen an Kameruner Hochschulen im Kontext der Corona-Pandemie

Léonel Nanga-Me-Abengmoni, Bertoua, Kamerun (pages 41-67)

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Am Mittwoch, den 18. März 2020 kündigte der Kameruner Premierminister aufgrund der Corona-Pandemie die Schließung aller Grund-, Sekundar- und Universitätsschulen im ganzen Land bis auf Weiteres an, wodurch insgesamt 7,2 Millionen Lernende und unter ihnen ca. zweitausend Deutschstudierende vom Präsenzunterricht ferngehalten wurden. Diese Entscheidung führte die nationale Bildungsgemeinschaft unweigerlich zur radikalen Digitalisierung des Lehr-/Lernprozesses, die in vielen Fällen aufgrund der fehlenden vorherigen Vorbereitung der Akteure in fragwürdiger Weise durchgeführt wurde. Die dieser Arbeit zugrundeliegende Fragestellung gilt dem E- und M-Learning im Kontext der Corona-Pandemie und geht der Frage nach, welche digitalen Bildungsmaßnahmen während der COVID-19-Krise an kamerunischen Hochschulen getroffen wurden und welche Chancen und Probleme sich daraus ergeben. Ziel der Studie ist es, empirische Befunde über den Mehrwert, die Probleme, die Risiken und Perspektiven eines virtuellen Unterrichts im kamerunischen DaF-Lernkontext zu liefern.
On Wednesday, March 18, 2020, due to the Corona pandemic, the Cameroon Prime Minister announced the closure of all primary, secondary and university schools across the country until further notice, removing a total of 7.2 million learners including around two thousand German students from educational institutions prematurely. This decision inevitably led the national education community to the radical digitization of the teaching/ learning process, which in many cases was carried out in a questionable manner due to the lack of prior preparation of the stakeholders. The underlying research question of this paper is about e- and m-learning in the context of the Corona pandemic and namely addresses what digital education measures were taken during the COVID-19 crisis in Cameroonian higher education institutions and what opportunities and problems they posed. The aim of the study is to provide empirical findings on the added value, problems, risks and perspectives of virtual teaching in the Cameroonian DaF learning context.

Zufrieden durch das erste Corona-Semester? Das Sommersemester 2020 in der Rückschau deutscher Hochschuldozent*innen in Japan

Manuela Sato-Prinz, Tokio, Luisa Zeilhofer, Kyoto & Jan Auracher, Singapur (pages 68-97)

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In einer Studie über die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf den DaF-Unterricht in Japan wurden muttersprachliche Hochschuldozent*innen rückblickend zu ihrer Sicht auf das Sommersemester 2020, das erste Corona-Semester, befragt. Untersucht wurde, welche Faktoren mit der persönlichen Zufriedenheit der Dozent*innen in Zusammenhang standen. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Befragten zwar große Veränderungen in Hinblick auf den Einsatz digitaler Medien im Unterricht wahrnahmen, allgemeine Parameter des Unterrichts wie etwa die gewählten Interaktionsformen von diesen jedoch kaum tangiert wurden. Die befragten Dozent*innen verfügten tendenziell über geringe Vorerfahrung mit digitalen Medien im Unterricht und sahen entsprechend hohen Fortbildungsbedarf. Wenngleich viele der Befragten Verbesserungsmöglichkeiten erkannten, waren sie mit ihrer Lehre weitestgehend zufrieden. Es zeigte sich, dass die Zufriedenheit geringer war, je mehr sich die Lehrenden mit der Notwendigkeit konfrontiert sahen, Veränderungen an ihrem allgemeinen Unterrichtskonzept, exemplarisch gemessen an den gewählten Sozialformen und der Prioritätensetzung im Unterricht, vornehmen zu müssen.
In a study on the impact of the COVID-19 pandemic on the teaching of German as a foreign language in Japan, native-speaking university lecturers were asked retrospectively about their view of the 2020 summer semester, the first semester affected by the coronavirus. Factors related to personal satisfaction were investigated. The results suggest that although the respondents perceived major changes regarding the use of digital media in teaching, general parameters of teaching, such as the chosen forms of interaction, were hardly influenced by them. The lecturers surveyed tended to have little previous experience with digital media in the classroom and saw a correspondingly high need for further training. Although many of the respondents identified room for improvement, they were largely satisfied with their teaching. It became apparent that the more the lecturers were confronted with the need to change their general teaching concept, exemplified by the selected forms of interaction and the priority setting, the less satisfied they were.

Potenziale, Herausforderungen und Evaluation virtueller DaF-Videokonferenzen aus der Sicht angehender DaF-Lehrkräfte mit Implikationen für die LehrerInnenausbildung

Matthias Prikoszovits, Amman (pages 98-129)

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In diesem Beitrag stehen digitale DaF-Lehrkompetenzen im Fokus. Es gilt, anhand bestehender Richtlinien für die FremdsprachenlehrerInnenaus- und -weiterbildung (EPOSA etc.) zu ermitteln, wie digitale Lehrkompetenzen bislang beschrieben bzw. definiert sind. Aufgrund von schriftlichen Reflexionen angehender, sich am Fachbereich DaF/DaZ der Germanistik der Universität Wien in Ausbildung befindlicher DaF-Lehrkräfte wird sodann in einer qualitativen Längsschnittstudie bestimmt, wie diese Lehrkräfte ein spezifisches virtuelles Unterrichtssetting, in dem sie selbst mit DaF-Lernenden aus Japan und den USA interagiert haben, beurteilen und welche Potenziale wie auch Herausforderungen sie diesem Setting zuschreiben. Aus den Reflexionen werden den virtuellen DaF-Unterrichtsraum betreffende Implikationen für die LehrerInnenausbildung abgeleitet, die sich in den bisherigen Richtlinien für die Schulung von Fremdsprachenlehrkräften zu wenig oder noch nicht abzeichnen.
This article focuses on digital GFL teaching skills. The aim is to determine how digital teaching skills have been described and defined so far using existing guidelines for foreign language teacher training and further education (EPOSTL, etc.). Based on written reflections from prospective GFL teachers who are in training at the GFL section of the Department of German Studies at the University of Vienna, a qualitative longitudinal study examines how these teachers evaluate a virtual classroom setting in which they themselves interacted with GFL learners from Japan and the USA, and what potentials and challenges they ascribe to this setting. The study spells out the implications of these reflections for teacher training with regard to the virtual GFL classroom, implications which are not yet reflected in the existing guidelines for the training of foreign language teachers or which have not yet been given sufficient weight.

Kamera an?! Untersuchungen zur Bedeutung paralinguistischer Mittel im virtuellen DaF-Unterricht

Burçin Amet, Oldenburg & Anna-Lena Schmidt, Erfurt (pages 130-157)

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Durch die voranschreitende mediale Verschiebung von Lernen und Lehren ins Digitale ergeben sich im Bereich der Fremdsprachenvermittlung neue Herausforderungen. Eine davon betrifft die Kommunikationsebene: Eine unmittelbare Face-to-Face-Kommunikation ist im virtuellen DaF-Unterricht nicht mehr möglich und zudem von dem Vorhandensein einer (funktionierenden) Kamera und der Bereitschaft der Lernenden und Lehrenden, diese einzuschalten, abhängig. Durch die räumliche Trennung der Kommunikationspartner/innen ergeben sich paralinguistische Einschränkungen, die einer Untersuchung bedürfen. Dieser Artikel beschäftigt sich daher mit der Wahrnehmung der Lernenden und Lehrenden bezüglich der eingeschränkten Möglichkeit der Zuhilfenahme von Gestik und Mimik im virtuellen DaF-Unterricht. Neben einer theoretischen Einordnung der nicht zu unterschätzenden Bedeutung paralinguistischer Mittel beim Sprachenlernen/-lehren werden die Einstellungen zu dem und die Auswirkungen auf den Unterricht mit und ohne Einsatz der Kamera ermittelt. Es stellt sich die Frage, ob durch den Wegfall parasprachlicher Signale auf allen Sprachniveaustufen gleichermaßen Defizite im Lernprozess wahrgenommen werden und festzustellen sind. Die Untersuchungen liefern wertvolle Anhaltspunkte für die Weiterentwicklung des virtuellen DaF-Unterrichts.
The subject of Foreign Language Teaching faces new challenges alongside the shift of learning and teaching into the digital realm: On of them concerns the level of communication: Direct face-to-face-communication is no longer possible in virtual German as a Foreign Language classes and is furthermore dependent on the presence of a (working) camera and the willingness of learners and teachers to turn it on. The spatial separation of the communication partners results in paralinguistic limitations that require an investigation. This article, therefore, deals with the learners’ and teachers’ perception of the limited possibilities of using gestures and facial expressions in a virtual setting. Besides a theoretical classification of the not to be underestimated importance of paralinguistics in Language Learning and Teaching, we aim to determine the attitudes towards and the effects on teaching with and without the use of the camera. The question arises whether deficits in the learning process are perceived and ascertained equally at all language levels due to the omission of paralinguistic signals. The studies provide valuable information for the further development of virtual German as a Foreign Language classes.

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