Issue 2/2022  -  ISSN 1470-9570

ARTICLES

Virtuelle Unterrichtspraktika – Möglichkeiten und Perspektiven für die Ausbildung von DaF-Lehrkräften

Olga Bichel, Hamburg & Anastasia Şenyıldız, Bursa (pages 1-14)

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In diesem Beitrag wird über ein internationales Kooperationsprojekt berichtet, in dem Master-Lehramtsstudierende aus Deutschland ihr Unterrichtspraktikum online mit einer DaF-Lehramtsstudierenden-Gruppe aus der Türkei durchführten. Es wird die Konzeption des Unterrichtspraktikums nach dem Modell der Kognitiven Meisterlehre (vgl. Collins et al. 1987) dargestellt. Mit Hilfe von Befragungen der teilnehmenden Studierenden wird die Projektkonzeption evaluiert. Vor dem Hintergrund der Ergebnisse werden mögliche Perspektiven für die Ausbildung DaF-Lehrender diskutiert.

Ein Barocklyriker im Deutschunterricht ‒ are you kidding me? Die Epigramme Johann Schefflers/Angelus Silesius‘ als intellektuell und spirituell produktive Herausforderung für Deutschlernende auch und gerade im 21. Jahrhundert

Albrecht Classen, Tucson, Arizona (pages 15-40)

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Manchmal erweisen sich unerwartete Texte aus früheren Epochen als durchaus nützlich für den Einsatz in einem fortgeschrittenen Seminar zur deutschen Literaturgeschichte. Hier werden die Epigramme des berühmten Barockdichters Johann Scheffler, besser bekannt als Angelus Silesius, erneut eingeführt und global darauf hin untersucht, welchen Wert sie als Material im Literaturunterricht besitzen könnten. Dies rechtfertigt sich sogleich daher, dass sie relative schlicht gestaltet sind und doch eine tiefschürfende Sprache einsetzen, um relevante Aussagen zu formulieren, auf die auch wir heute achten sollten. Diese Epigramme sind durchaus leicht verständlich auch für fortgeschrittene Deutschlernende, jedenfalls auf sprachlicher Ebene. Der Inhalt beweist sich hingegen oftmals als rätselhaft, mystisch und zutiefst philosophisch, d.h. als produktiv-herausfordernd. Obwohl diese Text im späten 17. Jahrhundert von einem tiefgläubigen Katholiken publiziert wurden, erweisen sie sich als erstaunlich zeitlos-einsichtsvoll, provokativ und spirituell, frei von orthodoxen Gedankengängen, und sie können somit inspirierend und motivierend in unseren Literaturkursen eingesetzt werden, weil sie von sich aus aktuell und relevant geblieben sind.
Sometimes, unexpected texts from older periods prove to be rather useful in advanced German literature and culture classes. Here, the famous epigrams by the Baroque poet Johann Scheffler, better known as Angelus Silesius, are introduced and examined globally as valuable literary teaching material both because of their relatively simple and yet sophisticated language and especially because of their relevant messages that continue to be worth listening to, even today. These epigrams are fairly easy to understand by students of German at first sight, at least in terms of their language. The content, however, often proves to be quite enigmatic, mystical, and profoundly philosophical, hence productively challenging. Although having been published in the late seventeenth century by a deeply devout Catholic poet, they emerge as surprisingly insightful, provocative, and spiritual statements far removed from any orthodox perspectives and thus can serve refreshingly well even in our contemporary literature (philosophy, religion) classes.

Die semanto-pragmatische Dimension der Grammatik: wie DaF-Übungsgrammatiken damit umgehen (sollten)

Claudio Di Meola & Daniela Puato, Rom (pages 41-63)

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Neben der formbezogenen Dimension hat Grammatik eine relevante funktionale Dimension, die eine situationsgerechte kommunikative Verwendung der verschiedenen grammatischen Strukturen ermöglicht, d.h. formale Kategorien dienen dazu, auf pragmatischer Ebene Sprecherintentionen zu realisieren und auf semantischer Ebene Inhalte zu differenzieren. Wie gehen nun die gängigen DaF-Übungsgrammatiken mit nicht-formbezogenen Aspekten der Grammatik um? Im vorliegenden Beitrag wird diese Frage auf der Grundlage eines Korpus von 15 Übungsgrammatiken für Fortgeschrittene untersucht, wobei zehn grammatische Phänomene unter die Lupe genommen werden, die verschiedene Bereiche der Grammatik des Deutschen abdecken sowie bekannte und weniger bekannte Lernschwierigkeiten darstellen: nominale Komposition; Akkusativ/Dativ-Wechselpräpositionen; Zukunftstempora Futur I und Präsens; Vergangenheitstempora Perfekt und Präteritum; Modi der indirekten Rede Konjunktiv I, Konjunktiv II und Indikativ; Aktiv und Passiv; Funktionsverbgefüge; Partizipialattribute; Wortstellung im Mittelfeld; Besetzung des Nachfelds. Als wichtigstes Ergebnis dieser zehn exemplarischen Fallstudien lässt sich festhalten, dass die Erklärungen in den Übungsgrammatiken bezüglich der semanto-pragma¬tischen Dimension dieser Phänomene inhaltlich nur teilweise adäquat erscheinen, da oftmals notwendige Vertiefungen fehlen und die Hinweise in den einzelnen Werken sich nicht zu einer systematischen Gesamtdarstellung verdichten, die den Lernenden eine kommunikationsgerechte Verwendung von Grammatik ermöglichen würde.

“I imagine myself in the future speaking German”. What motivates university students in Australia to learn German over time?

Giuseppe D’Orazzi, Heinz L. Kretzenbacher & John Hajek, Melbourne (pages 64-90)

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German has been at the centre of several recent studies on language learning motivation in Australia (e.g. D’Orazzi 2020a; Schmidt 2014) and elsewhere (e.g. Ammon 2020; Busse 2013; Riemer 2011). This study focuses on exploring motivation and changes in its component parts that students may experience when learning German at beginner level over two semesters at Australian universities. It does so by means of a three-dimensional (micro-meso-macro) framework proposed by D’Orazzi (2020a) who draws upon similar three-level models of analysis designed by the Douglas Fir Group (2016), Gayton (2018) and Gruba et al. (2016).
Quantitative and qualitative methods are utilised to analyse data collected over time by means of two online questionnaires and two rounds of interviews. This longitudinal approach allows us to trace the nature and extent of changes in students’ motivation over one year of studies and compare our outcomes with previous research on motivation in learning German at Australian universities (e.g. Schmidt 2011). The complex interconnection of motivational components shared by research participants allows to offer an updated overview of university students’ understanding and experience of German learning.

„Es ist ernst“. Didaktische Ansätze zur Förderung sozialer Werte im DaF-Unterricht Kameruns

Rosny Franck Nzenti, Yaoundé, Kamerun (pages 91-101)

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Der vorliegende Beitrag möchte aufgrund der Erosion von Werten in Kamerun Impulse geben, wie soziale Werte im Unterricht vermittelt werden können. In dieser durch Werteverfall ausgezeichneten Gesellschaft kommt den Lehrenden die Aufgabe zu, die Lernenden durch bestimmte Werte zu orientieren. Der Beitrag geht der Frage nach, wie kamerunische Schülerinnen und Schüler Verantwortung als Wert im wertorientierten Unterricht erleben können. Durch einen durchgeführten Projektunterricht soll dargelegt werden, wie die Auseinandersetzung mit Belmond Sonyems Erzählung Eine unvergessliche Reise die Schülerinnen und Schüler der Troisième-Klasse an die Schulung fundamentaler Werte heranführen kann.

Interaktion 2.0 – Schriftliches Sprechen, Synchrones Diskutieren und Stummes Kommunizieren

Kerstin Pramstaller, Innsbruck (pages 102-121)

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Die mündliche Interaktion ist ein bedeutendes Element der Sprachauffassung des GeR (Europarat 2020: 86), das auch in DaF/DaZ-Kursen einen dementsprechend wichtigen Stellenwert im Hinblick auf das Lernen einnimmt. Durch den aufgrund der Corona-Pandemie nötigen kurzfristigen Umstieg auf Online-Lehre haben sich gerade in diesem Bereich neue Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet. Anhand von gesammelten Performanzen (Chatverläufe) in B1/B1+ und B2/B2+ Kursen, im Rahmen von studienvorbereitenden Kursen der Universität Innsbruck, geht es in diesem Beitrag um das Aufzeigen des entstandenen Zusammenspiels aus Schriftlichkeit und Mündlichkeit sowie um die Diskussion der angewandten Interaktionsstrategien und der möglichen Digitalisierungsstufen.

Pinterest als Mittel zum Erlernen von Deutsch als Fremdsprache

Cibele Cecilio de Faria Rozenfeld, Ana Lívia Catoia, Araraquara, Brasilien (pages 121-139)

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Ziel dieses Beitrags ist es, das Tool Pinterest als Ressource für das autonome und ubiquitäre Lernen von Deutsch als Fremdsprache zu analysieren. Die Forschung basiert theoretisch auf den Konzepten der Persönlichen Lernumgebung und des Allgegenwärtigen Lernens. Es handelt sich um eine qualitative autoethnografische Untersuchung, die in Brasilien durchgeführt wurde. Die Daten weisen auf das Potenzial des Tools als Unterstützung für das Erlernen der deutschen Sprache hin.
The aim of this paper is to analyze the tool Pinterest as a resource for autonomous and ubiquitous learning of German as a foreign language. The research is theoretically based on the concepts of Personal Learning Environment and Ubiquitous Learning. It is a qualitative autoethnographic research conducted in Brazil. The data indicate the potential of the tool as a support for learning German.

Räumliche Transformationen und Grenzverschiebungen bei der Verlegung des DaZ-Unterrichts ins Digitale

Yanetta Rybalskaya, Bochum (pages 140-159)

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Deutschkurse, die ursprünglich als Präsenzveranstaltungen geplant waren, mussten 2020 pandemiebedingt in den Onlinemodus verlegt werden. Diese Maßnahme löste jedoch in vielen Kreisen Skepsis aus, was die Frage erfolgreicher Durchführung angeht. Diese Zweifel können in erster Linie durch die Raumverbundenheit in Bezug auf Lernen erklärt werden, die viele Lernende, aber auch Lehrende an den Tag legen: Die meisten Menschen sind gewohnt, Lernaktivitäten in einem physischen Raum auszuüben, der außerhalb vom Zuhause liegt und erst einmal erreicht werden muss. Das Online-Lernen ist hingegen ortsunabhängig, jede*r befindet sich körperlich in einem anderen Raum, nimmt aber gleichzeitig an einem öffentlichen Geschehen teil. Die eigenen vier Wände, das häusliche Mobiliar und digitale Endgeräte werden dabei in eine neuartige Lernumgebung umfunktioniert, deren Grenzen einerseits im privaten Alltag zu verschwimmen scheinen, aber andererseits unendlich viele neue Dimensionen eröffnen. Bei diesem Prozess kann man von Entgrenzung des Deutschkurses sprechen, die gewisse raumbezogene Veränderungen auslöst und den Lehr-Lern-Prozess neu gestalten lässt.
Due to the pandemic, German courses in 2020, which were originally planned as face-to-face events, had to be moved to online mode. However, this measure triggered uncertainty in many circles regarding successful implementation. These doubts can be explained primarily by the spatial attachment to learning that many learners, but also teachers, display: Most people are used to performing learning activities in a physical space that is away from home and has to be reached first. Online learning, on the other hand, is location-independent; everyone is physically in another space, but at the same time participating in a public event. One's own four walls, home furnishings and digital end devices are thereby transformed into a new kind of learning environment whose boundaries seem to blur in private everyday life on the one hand, but on the other hand open up an infinite number of new dimensions. This process is referred to as the dissolution of boundaries in the German course, which triggers certain spatial changes and allows the teaching-learning process to be redesigned.

Lerndynamisch und -systematisch. Ein kompetenzorientiertes Blended-Learning-Modell

Jianpei Yang, Shanghai (pages 160-179)

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Als eine weiterentwickelte Lernform von E-Learning ist Blended Learning seit Anfang 2000 in verschiedenen Bereichen weit verbreitet. Der Ausbruch von Corona beschleunigt die Verbreitung des Blended Learning weltweit. In der Hochschulbildung befinden sich viele Lehrveranstaltungen im Umwandlungsprozess zum Blended Learning. Die Diskussionen um Blended Learning weisen auf verschiedene Perspektiven hin, die Ablehnungen zurückgewiesen und Zweifel einigermaßen ausgeräumt haben. Eine rationale Einschätzung des Blended Learning ist daher notwendig. In der vorliegenden Arbeit werden zuerst die Betrachtungsweisen des Blended Learning diskutiert und dann versucht, ein kompetenzorientiertes Blended-Learning-Modell zu entwickeln. Anschließend werden die Systematik und die Dynamik des Modells erläutert. Schließlich wird die Funktionalität des Modells anhand der Reflexionen chinesischer Studenten eines Deutschkurses thematisiert.

TEACHING METHODOLOGY

Connecting language learners with the community: A library outreach project for children

Theresa Schenker, New Haven, Connecticut (pages 180-192)

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This article presents a small community outreach project in which undergraduate learners of German taught two sessions of German to children at the local library. The article explains the design of the project and the individual lesson and summarizes a small research project that analyzed the effects of the project on the undergraduates. Specifically, effects on undergraduates’ language skills in the area of vocabulary were investigated as well as their perceptions of the project. Furthermore, this article provides concrete suggestions for implementing similar projects.

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